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On the translation of the manuscript

I tried to translate the transcription very literal. That makes the reading of some lines hard but it safes as much from the original intention as possible. If you like to compare the transcription with another one, have a look at the work of Dierk Hagedorn.

I commented the translation of that treatise in GMN 3227A 64r-65r Bloßfechten (explained).

Feasible translations of some of the medieval fencing terms that I kept in the original language are:

  •  Vor (before), Nach (after), Schwach (feable), Stark (strong), Indes (meanwhile/engaged)
  •  Vorschlag, Nachschlag: compare it with the terms in music theory, where Pre Beat is before On Beat and the latter before After Beat. If you stay always before On Beat, you will never have a timing problem to present the After Beat.
  • Fühlen – Feeling and perception
  • Am Schwert (translated) – one is in contact with the blade of the opponent
  • Blossen, Blöße (translated) – Openings, Windows

Transcription of the manuscript:

>64r> Hie vernewt man und vorander-
weit / dy stücke und gesetze deß
blozfechtens / meister[s] lichtnaw[er]s.
mit kurczer und mit schlechter rede
durch gro[e]sser und besser vorste
du[n]ge und vornemu[n]ge wille // Ab
vor ich sicht ist geschrebn in den Reymen
und in der glozen / unbedewtlich und unver
nemlich / das daz mit slechter rede ko[e]rczlich
w[er]de o[e]berlawfen /
Czu dem ersten merke und wisse, daß licht=
nau[er]s fechten leit gar an den fu[e]nff wo[e]rt[er]n
vor * nach * shwach * stark * Indes //Dy eyn gru[n]t[=] /
kern und fundament / seyn alles fechtens // und
wy vil eyner fechtens kan // weis her nu[e]r des
fundamentz nicht / so wirt her oft bey seyner
ku[n]st beschemet / und dy selben wo[e]rter sint
vor oft aus gelegt / wen si nu[e]r of das gehe[n]
daß eyner um[m]erc[z]u in motu sy * Und nicht
veyer ader lasse * das ien[er] [n]icht czu slage kome /
wen * vor * nach * bedewten vorslag und nach=
slag / als vor oft ist geschreb[e]n / und das
gehet of das / daß do heyßet / pri[n]cipiu[m] und
finis /anhebu[n]ge und endu[n]ge /wen eyn ernst[er]
gut[er] fechter ficht doru[e]m mit eyme / das her
mit syner ku[n]st eyme[n] will slaen / und nicht
geslage[n] we[r]den / und das mag her nicht tue[n].
an anhebu[n]ge * und ane endu[n]ge / wil her
den[n]e  wol anheb[e]n / zo schaffe her * das her
in den vorslag habe und gewin[n]e / und nicht
iener / den eyner der so slet of eyne[n] / der ist in /
>64v>sicher / vnd bas bewart / dez halbers/ den[n]e
iener der / dirslege muß war * nemen * vnd
warten / wen her den[n]e den vorslag ge=
wint vnd tuet / her treffe ader ve[h]le[n] / zo
sol her den[n]e dornoch / i[n]mediate ane vnder=
loz in dem selben rawsche den nochslag
tuen / das ist den and[er]n slag den dritten
den vierd[e]n ader den fu[e]nnften i is sey haw
ader stich alzo das her v[m]mermer in motu
sey / und eyns noch dem and[er]n treibe / ane
vnderloz das her io ienen nicht laß czu
slage kome[n] / Doru[e]m spricht lichtnawer
Ich sage vorware / sich schützt key[n] man
ane vare #s[ed] n[on] sine da[m]pno / Hastu vornomen / czu slage
mag her kleyne komen / Tu / nu[e]r als
vor oft geschrebn ist vnd bis in motu /
Das wort Indes get of dy wörter / vor / noch
den wen eyner den vorslag tuet / vnd ein[er]
den weret / Indes vnd dyweile das in ein[er]
weret vnd sich schützt zo mag deser wol
czu dem nochslag / komen / Auch get is of
dy wörter * swach * stark / dy do bedewten /daz
fu[e]len / den wen eyner an dem sw[er]te ist / mit
ieme vnd fu[e]let * ab ein[er] stark ader swach
ist / dornoch tut her den[n]e noch der oft
geschreb[e]n lere / Vnd das fu[n]dame[n]t wil vor
allen sachen dy p[rin]cipia hab[e]n / Kunheit /
Rischeit / Vorsichtikeit / list / vnd klukheit / etc
Vnd och yn allen dingen moze / ab her nu[e]
den vorslag gewi[n]net / den sal her nicht zo gar
swinde tuen das her sich deste baß des noch=
slags irholen mag / vnd sal och nicht czu
weit schreiten / das de her sich deste bas ey[ne]s
>65r>and[er]n schretes hindersich ader vorsich ab sichs
gepürt möchte [e]rholen / als lichtnaw[er] spricht
Dorof dich zoße / alle dink hab[e]n lenge vnd
moße / Dorum sal eyner nicht gehe syn / vnd
sal sich vor / wol bedenken was her treib[e]n will
vnd das selbe sal her de[n]ne ku[e]nlich treib[e]n
vnd eyme rischlich dar varn czu koppe ader
czu leibe / vnd mit nichte czu[m] swerte / wen
ab eyn[er] im eyme gar gewislich eyme hewt
czu koppe ader czu leibe / daz ist czu den vier
blossen / de[n]noch ku[m]pt ist oft czu[m] sw[er]te an eyns
dank / Is das sich iener schützt / zo schützt
her sich m[i]t dem sw[er]te/ alzo das is de[n]noch czu[m] sw[er]te[m]
ku[m]pt / Doru[e]m spricht lichtnaw[er] / haw nicht
czum sw[er]te / zonder stes stetz der blosse[n] warte /
Czu koppe czu leibe / wiltu ane schade[n] bleib[e]n/
Du trefst ader velest / zo trachte das du / Io /
der blössen remest / In aller lere / dey[n] ort
keyn eyns gesichte kere / Vnd wer weit vm[b]e=
hewet / der wirt oft sere / beschemet / Off daz
aller neste / bre[n]ge hewe ader stiche dar ge=
wisse / Vnd dich zu[e]me io / das ein[e] [n]icht e
kome wen du / So magstu wol bestan / recht
vor eyne[m] gute[n] man /

In modern German:

>64r>Hier werden erneut und zum zweiten
mal die Stücke und die Gesetze des
Bloßfechtens Meister Liechtenauers
mit knappen und einfachen Sätzen
durch größere und bessere Informationen
und Erklärungen, was
ich zuvor gesagt und geschrieben habe in den Reimen
und den Erläuterungen dazu, schwer zu deuten und unvor-
ständlich, das wird hier mit einfachen Worten kurz
wiederholt.
Als erstes merke und wisse, dass Liechte-
nauers Fechten orientiert sich an den Fünf Wörtern:
Vor, Nach, Schwach, Stark, Indes; die ein Grund-
satz und das Fundament sind alles Fechtens. Und
[egal] wie gut einer fechten kann, weiß er nur vom
Fundament nicht, so wird er oft trotz seiner
Kunst beschämt. Und dieselben Wörter sind
zuvor oft ausgelegt worden. Denn sie basieren allein darauf,
daß man hin und her in Bewegung bleibt, und nicht
feiert oder lasch wird, damit jener nicht zum Schlag komme.
Denn „Vor“, „Nach“ bedeuten Vorschlag und Nach-
schlag, wie bereits mehrfach erwähnt. Und das
ist zurückzuführen auf das, was genannt wird Prinzipium und
Finis, Anfang und Beendung. Wenn ein ernster,
guter Fechter darum mit einem fechtet, und
den mit seiner Kunst will schlagen, und nicht
geschlagen werden, dann sollte er das nicht tun
ohne Anfang und ohne Beendung. Will er
denn Anfangen, so bemühe er sich, dass er
gegen ihn den Vorschlag habe und gewinne, und nicht
Jener. Denn einer, der so auf einen schlägt, der ist in
>64v> Sicherheit und besser bewahrt deshalb. Denn
Jener, muss die Schläge wahrnehmen und
beachten. Wenn einer den Vorschlag ge-
winnt und tut er treffen oder verfehlen, so
soll er dann danach unmittelbar ohne Unter-
laß in demselben Schwung den Nachschlag
tun (das ist der nächste Schlag, dann den dritten,
den vierten oder den fünften, sei es Hau
oder Stich, also dass er immerzu in Bewegung
sei und eins nach dem anderen vortreibe, ohne
Unterlaß, so dass er ja den andren nicht zum
Schlage kommen lasse. Darum spricht Liechtenauer
„Ich sage fürwahr, kein Mann schützt sich
ohne sich zu bewegen (aber nicht ohne Schaden). Hast du das vernommen, zum Schlagen
mag er nicht kommen“. Tue genau wie
es zuvor mehrfach beschrieben wurde: bleib in Bewegung.
Das Wort „Indes“ entsteht aus den Wörtern „Vor“ - „Nach“,
dann wenn einer den Vorschlag tut und einer
diesen wehret. „Indes“ und dieweil der andere sich
einem erwehret und sich schützt, so mag derjenige gut
zu dem Nachschlag kommen. Auch entsteht es (Indes)
aus den Wörtern „Schwach“-„Stark“, die da bedeuten das
„Fühlen“, dann wenn einer am Schwert ist mit dem
anderen und fühlt, ob derjenige stark oder schwach
ist, dann er kann handeln nach der hier
beschriebenen Lehre. Und das Fundament benötigt
vor allen die Grundsätze: Kühnheit,
Schnelligkeit, Vorsichtigkeit, List und Klugheit.
Und auch in allen Dingen „Maß“ halten! Wenn er nun
den Vorschlag gewinnt, dann soll er nicht zu
hektisch werden, damit er auch für den Nachschlag
bereit ist. Und er soll auch nicht
zu große Schritte machen, damit er bereit ist für einen
>65r> weiteren Schritt zurück oder vor wie es
passt oder notwendig ist. Wie Liechtenauer spricht:
„Darauf kannst du setzen, alle Dinge haben Längen und
Maße“.  Darum soll einer nicht geistig abwesend sein, und
soll sich vorher gut überlegen, was er machen will.
Und das selber soll er dann beherzt treiben
und dem anderen schnell gegen Kopf oder
Leib fahren, und mitnichten zum Schwert. Sobald
einer dem anderen gar ordentlich einhaut
zu Kopf oder zum Leib, dann geschieht das zu den vier
Blößen, und trotzdem kommt er oft zum Schwert (des anderen) ohne eigene
Absicht. Wenn sich der andere schützt, dann schützt
er sich mit dem Schwert, so das Schwert also doch zum Schwerte
Kommt. Darum spricht Liechtenauer: „Haue nicht
zum Schwerte, sondern stets die Blößen verwerte.
Zum Kopfe oder zum Leib, so daß du ohne Schaden bleibst.
Ob du triffst oder verfehlst, trachte immer dass du ja
nach den Blößen zielst. In aller Lehre dein Ort
kühn ihm ins Gesicht kehre. Und wer weit um sich
haut, der wird oft durch Schmerzen kleinlaut. Auf das
Allernächste bringe Häue oder Stiche dar gewiss.
Und dich spute, dass einer nicht eher
kommt als du. So magst du wohl bestehen, recht
vor einem guten Mann.

Translation in modern English:

>64r> Here anew and again
the pieces and rules of
The armorless fencing of Master Liechtenauer
with short and simple words
by greater and better information
and explanation, what
I had said and written before in the rhymes
and in the adjected explanations, hard to interpret and in-
comprehensible, that is with simple words short
are repeated.
First mark and remember that Liechtenaur’s
Fencing is aligned at the Five Words
Vor , Nach, Schwach , Stark, Indes; these are the
principles and the fundament of all fighting. And
[regardless] how good one can fight, if he does only not know
the fundament, he will be humiliated often by all
his art. And these Words are
covered often before. Cause they are solely based
that one is always in motion, and does not
celebrate or slacken, so that the other cannot counter.
Cause „Vor“, „Nach“ are meaning „Vorschlag“ and
"Nachschlag", as mentioned often before. And that
is based on that ,what is called principium and
finis, beginning and ending. If a earnest,
good Fencer therefore fences with someone, and
wants to beat him by his art, and not
wants to be beaten, than he should not do it
without beginning and without ending. Wants he
to beginn well, he should labour, that he
gains against him the „Vorschlag“ and wins, and not
the other. For he, who hits like this at the other, he is
>64v> safe and protected better  because of that
the other must observe the blows and
take care. If ones wins the „Vorschlag“
and he does hit or fail, so
he should thereafter inmediately without stop-
ping in the same momentum do the „Nachschlag“
(that is the next beat, than the third,
the fourth or the fifth, if it is a blow
or a thrust, so that he is always in motion
and carries on with one following another without
stopping , so that the other
cannot counter.  That’s why Liechtenauer is telling
„I say truly, no man guards himself without
moving (but not without a damage). Have you recognized that,
he may not counter you.”. Do exactly like
it is written often before: stay in motion.
The word „Indes“ arises from the words „Vor“-„Nach“ if
one does the „Vorschlag“ and the other
parries it. „Indes“ and meanwhile the other is
parrying and guarding himself, the first one may get a good
chance to get the „Nachschlag“. As well it arises
from the words „Schwach“-„Stark“, that implies the
„Fühlen“, in the case that one is “am Schwert” with
the other and feels, if the other is strong or feable,
he can therefore act according the
described lore. And the fundament needs
above all the principles: boldness,
quickness, wariness, cunning, and prudence.
And in all things be modest, if he wins
the Vorschlag, than do not be too
hasty, so that you are ready for the Nach-
Schlag. And do not take too large
steps, so that you are ready for
>65r> another step back or forward as it may
be appropriate. Like Liechtenauer said:
„On this you can mount, all things have largeness
and smallness“. Therefore one should not be absent-minded
and should in advance consider well what he wants to do
and exactly that he should than keenly execute
and drive swiftly to the other’s head or
body and not to the sword. As long
as one hits properly at the other’s
head or body, than this happens to the Four
Openings, but for all that one arrives at the (other’s) sword without
his proposition. That is why as the other is protecting, he
protects himself with the sword, so that the sword arrives at the sword
at last. Hence Liechtenauer said: “Do not hit at
the sword always the aim to openings hold.
At the head or the body, so that harm stays away.
If you hit or fail, seek to aim at the
openings. In all lore turn your point
keen in his face. And who makes big
movements, will be humiliated. At the
very nearest bring hits and thrusts properly.
And hurry, that the other will not be the
first to arrive. So you may stand against
a good fighter.

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Note: This is a not proofread, uncorrected version. My first draft. If you have any recommendations, corrections, or annotations that will improve the content on this page, please help me by commenting.

Transcription Rules

The transcription is created to make the text readable. So the abbreviations and errors are resolved and marked:

[ ] Square Brackets: resolved abbreviation.
{ } Curved Brackets: added missing or corrected words or letters

See the Glossary of translated terms for more information.

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